28. Februar 2026

Arno Strobel - Ungelöst


Dieser Cold Case ist nichts für schwache Nerven

Inhaltsangabe:

Medizinstudentin Luisa Menkhoff kennt die verschwundene Frau auf dem Flugblatt. Es ist Jahre her, dass sie sie gesehen hat. Aber trotzdem kann sie sich erinnern, als wäre es gestern gewesen. Nicole Klement war die Lebensgefährtin des Mannes, der Luisa als Fünfjährige entführt hat. Und damals ebenfalls in die Sache verwickelt. Luisa wendet sich umgehend an die Münchner Polizei und trifft auf Hauptkommissar Ramin Brunner, der gerade im Begriff ist, eine neue Cold-Case-Einheit aufzubauen, die alte Fälle mit modernen Mitteln aufklären soll. Als Luisa ihm die Umstände ihrer Entführung als Kind schildert, ist Ramin verblüfft. Luisa hat ein eidetisches Gedächtnis und erinnert sich an jedes Detail einer einmal erlebten Situation. Und alles, was sie sagt, deutet darauf hin, dass ihr damaliger Entführer - Dr. Joachim Lichner - jetzt Nicole Klement in seiner Gewalt hat. Luisa wird als externe Beraterin zu dem aktuellen Vermisstenfall hinzugezogen. Bis klar wird, dass sie sich getäuscht haben muss. Denn es gibt Hinweise, dass es Lichner nicht gewesen sein kann. Aber warum fühlt Luisa sich dann beobachtet? Zu spät erkennen sie und Ramin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben, das allen Beteiligten zum Verhängnis werden könnte.
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Dieser Auftakt lässt einen nicht höflich anklopfen, sondern reißt die Tür auf und zieht einen gnadenlos hinein ins Dunkle. Ganz ohne große Erwartungen gestartet, fand ich mich plötzlich mitten in einer Geschichte wieder, in der Vergangenheit und Gegenwart unheilvoll ineinandergreifen. Auch ohne tiefere Kenntnisse rund um Luisas familiären Hintergrund funktioniert der Roman hervorragend, wenngleich die immer wieder aufscheinenden Schatten ihrer Kindheit und die enge Verbindung zu ihrem Vater spürbar machen, dass hier bereits eine Geschichte existiert, die noch weiter zurückreicht.

Luisa Menkhoff ist eine Protagonistin, die man sofort ernst nimmt. Klug, nahbar und mit einer besonderen Gabe ausgestattet, die Fluch und Segen zugleich ist. Ihre Fähigkeit, Erinnerungen messerscharf abzurufen, verleiht der Handlung eine faszinierende Dynamik, denn was für andere längst verblasst ist, liegt für sie glasklar vor Augen. Gerüche, Worte, kleinste Details: Nichts geht verloren. Genau das macht sie für einen alten Vermisstenfall unverzichtbar und bringt sie gleichzeitig gefährlich nah an Dinge heran, die besser verborgen geblieben wären.

An ihrer Seite: Hauptkommissar Ramin Brunner. Charismatisch, aufmerksam und mit genau der richtigen Mischung aus Professionalität und Menschlichkeit. Strobel zeichnet ihn so lebendig, dass man ihn förmlich vor sich sieht – inklusive Kopfkino und heimlichem Schwärmen. Die Zusammenarbeit zwischen Luisa und Ramin wirkt nicht konstruiert, sondern lebendig, voller Vertrauen und Spannung.

Der Schreibstil ist dabei ein echter Sog. Flüssig, temporeich und punktgenau setzt Strobel seine Perspektivwechsel ein – zwischen Luisa, Ramin und einer Stimme, die lange im Dunkeln bleibt und gerade deshalb eine beklemmende Präsenz entwickelt. Diese Wechsel halten die Spannung konstant hoch und sorgen dafür, dass man ständig glaubt, kurz vor der Lösung zu stehen, nur um anschließend wieder ins Grübeln geschickt zu werden.

Persönliches Fazit: Die Tatsache, dass ich bis zum Schluss im Nebel tappte, macht diesen Thriller so stark. Wenn sich schließlich alles zusammenfügt, trifft einen die Erkenntnis mit voller Wucht. Ein Auftakt, der nicht nur Lust auf mehr macht, sondern zeigt, wie raffiniert und nervenstark moderne Spannungsliteratur sein kann.
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Bibliografie:

Autor: Arno Strobel
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596712984
Reihe: Band 1
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 25.02.2026
Seitenanzahl: 384
Format: Print: 18,00 € / E-Book: 16,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © RO, Sabrina
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © Fischer Verlag


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