Ursula Poznanski - Das Signal


 
Wenn ein GPS-Tracker dich in finstere Abgründe stößt ...

Inhaltsangabe:

Gefangen im eigenen Haus: Bei einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich besteht ihre Welt nur noch aus Hindernissen. Zwar kümmert ihr Mann Adam sich rührend um sie; mit dem barrierefreien Umbau ihres abgelegenen alten Hauses scheint er es allerdings nicht eilig zu haben. Viola sitzt buchstäblich im Erdgeschoss fest, alleine mit einer wortkargen Pflegerin, von der sie sich ständig überwacht fühlt.
Und immer wieder verschwinden wichtige Dinge aus Violas Reichweite. Um nicht lange danach suchen zu müssen, stattet sie sie mit winzigen GPS-Trackern aus. Als Adams Verhalten sich zu verändern beginnt und er immer häufiger spät nach Hause kommt, beginnt sie heimlich, auch ihn zu tracken, und entdeckt schon bald beunruhigende Muster. Offensichtlich belügt er sie über seinen Tagesablauf – und nicht nur er. Warum? Mit jedem Tag und jeder Lüge wächst in Viola ein furchtbarer Verdacht …
____________________

Ursula Poznanski entführt uns mit ihrem neuesten Psychothriller in ein Szenario, das den Puls schleichend in die Höhe treibt. Im Zentrum steht eine taffe Innenarchitektin, deren Leben nach einem schweren Unfall in Trümmern liegt – buchstäblich. Gezeichnet durch eine Amputation und geplagt von den Lücken in ihrem Gedächtnis, findet sie sich in einem abgelegenen Haus wieder, das für sie zur barrierefreien Falle wird.

Die Atmosphäre ist von Beginn an hochgradig klaustrophobisch. Während die Protagonistin im Erdgeschoss feststeckt, scheint die Welt um sie herum aus den Fugen zu geraten. Ihr Ehemann verstrickt sich in ein Netz aus Lügen, während eine wortkarge Pflegerin wie ein Schatten über ihr wacht. Poznanski nutzt hier geschickt das Domestic-Noir-Motiv: Das Misstrauen wächst nicht im Außen, sondern am eigenen Küchentisch.

Mit jedem Puzzlestück, das die Protagonistin Viola zusammensetzt, wird klarer, dass die Probleme nicht nur in der Ehe liegen. Ihre eigene Vergangenheit holt sie ein, wobei die Affäre ihres Mannes nur an der Oberfläche kratzt. Trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen bleibt sie stark und übernimmt Schutzmaßnahmen, während sie sich gegen die Kontrolle ihrer Pflegekraft wehrt und versucht, an ihre Erinnerungen zu gelangen.

Ursula Poznanski entführt die Leser auf eine interessante Jagd nach Vertrauen, Sicherheit und Selbstständigkeit. Das Tempo steigert sich langsam, spiegelt damit den mühsamen Kampf der Protagonistin wider, und das Gefühl der Bedrängnis baut sich immer weiter auf. Man fiebert regelrecht mit ihr und gerät selbst in einen Strudel aus Rätseln und Herausforderungen.

Die erste Hälfte des Buches ist ein packendes Beinah-Kammerspiel. Die schleichende Bedrohung und die sympathische, beharrliche Heldin ziehen einen unweigerlich in den Bann. Doch die Handlung im Mittelteil gerät irgendwie ins Stocken. Violas fast schon masochistischer Langmut gegenüber ihrem heuchlerischen Ehemann und der übergriffigen Pflegerin strapazierte meine Geduld völlig unnötig. Die Auflösung folgt bekannten Strukturen und lässt den „frischen Wind“ vermissen, den man von früheren Werken der Bestseller-Autorin gewohnt ist.

Das Cover finde ich überaus passend. Die Treppe, die in ihr gemeinsames Schlafgemach führt, ist auf einmal eine unüberbrückbare Bürde. So manch Eigentümliches geht im oberen Stockwerk vonstatten, doch was es ist, dürft ihr selbst herausfinden.

Persönliches Fazit: Trotz einiger Kritikpunkte bleibt DAS SIGNAL eine fesselnde Lektüre, die besonders durch die psychologische Tiefe der Hauptfigur punktet. Poznanski beweist erneut, dass sie das Spiel mit der Paranoia beherrscht, auch wenn dieser „leise Thriller“ am Ende nicht ganz die Wucht ihrer Jugendbuch-Erfolge erreicht.
____________________

Bibliografie:

Autorin: Ursula Poznanski
Verlag: Knaur
ISBN: ‎978-3-426-56812-5
Reihe: -
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 02.02.2026
Seitenanzahl: 400
Format: Print: 24,00 € / E-Book: 20,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © RO, Darren
Grafik: © RO, Darren
Cover Original: © Knaur



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für deine Nachricht!