Inhaltsangabe:
Die junge Lady Roscille weiß, was über sie gesagt wird: Sie sei von Hexen verflucht, und ein einziger Blick in ihre Augen könne sterbliche Männer in den Wahnsinn treiben. Auf Geheiß ihres Vaters wird sie mit dem schottischen Lord Macbeth verheiratet, einem brutalen Kriegsherrn. Um als neue Lady Macbeth zu überleben, muss Roscille all ihre List und verborgene Hexenkraft einsetzen. Dabei ahnt sie nicht, dass auch ihr Ehemann okkulte Geheimnisse hat, die in den dunkelsten Tiefen seiner Burg schlummern. Sie weiß auch noch nicht, wie gefährlich ihre eigene Magie ist. Aber sie wird es herausfinden …
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Ich fand den Gedanken großartig, Lady Macbeth einmal nicht nur als die skrupellose, machtgierige Schurkin zu betrachten, die ich aus dem Englischunterricht im Kopf hatte. Reid gibt ihr mit Roscille eine eigene Vorgeschichte und steckt sie in eine düstere, brutale Welt, in der Frauen vor allem eines lernen müssen: zu überleben.
Verheiratet mit dem gefürchteten Macbeth landet Roscille in einer kalten, unheimlichen Burg, umgeben von Gewalt, Geheimnissen und Männern, die sie entweder unterschätzen oder besitzen wollen. Also beginnt sie, mit dem zu arbeiten, was ihr bleibt: Schönheit, Intelligenz, Manipulation ... und vielleicht tatsächlich Magie. Auch die Fantasy-Elemente haben mich überrascht. Anfangs war ich skeptisch, weil die Autorin ihren Plot ohnehin schon mit Hexen und Geistern auflädt und zusätzlich Monster, Magie und Fabelwesen hinzufügt. Aber irgendwann gehörte das alles so selbstverständlich zu dieser Welt, dass ich es nicht mehr missen wollte.
Roscilles Verhältnis zur Magie fand ich ebenfalls faszinierend. Ist sie wirklich eine Hexe oder hat sie irgendwann einfach selbst angefangen, an die Geschichten zu glauben, die andere über sie erzählen?
Weniger überzeugt hat mich dagegen ihre Beziehung zu Macbeth. Ich hätte mir deutlich mehr psychologisches Katz-und-Maus-Spiel gewünscht, mehr Manipulation, mehr strategische Duelle und vor allem mehr von der Frau, die irgendwann zur berüchtigten Lady Macbeth werden soll. Macbeth behält für meinen Geschmack zu lange die Kontrolle, während Roscilles Einfluss oft zu subtil bleibt.
Überhaupt entfernt sich der Roman ziemlich weit von Shakespeare. Für mich war das nicht grundsätzlich ein Problem, denn ich mag Neuinterpretationen, die sich trauen, etwas Eigenes daraus zu machen. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt. Lady Macbeth ist für mich viel mehr eine gotische Fantasygeschichte über Überleben, Gewalt, Macht und Liebe als eine klassische Macbeth-Nacherzählung.
Aber diese Atmosphäre! Leute! Kälte, Dunkelheit, Meer, Blut, Flüche und etwas zutiefst Unheimliches, das ständig unter der Oberfläche lauert. Ava Reid kann wirklich großartig schreiben. Ihre Sprache ist unglaublich bildhaft und schafft eine fast erdrückende Gothic-Stimmung, in der ich regelrecht versunken bin. Ich hab's total geliebt!
Persönliches Fazit: Trotz meiner Kritik ist Lady Macbeth für mich ein atmosphärischer Überraschungshit. Ich hätte mir zwar eine bissigere, manipulativere und mächtigere Roscille gewünscht, aber Reids Version hat etwas Eigenständiges geschaffen. Wer eine düstere, märchenhaft-gotische Fantasygeschichte mit einer Prise Horror und Romance sucht und sich darauf einlassen kann, dass Shakespeare hier eher Ausgangspunkt als Vorlage ist, dürfte viel Freude an der Story haben. Ich hatte sie!
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Bibliografie:
Autorin: Ava Reid
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492706988
Reihe: 320
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 04.09.2026
Seitenanzahl:
Format: Print: 18,00 € / E-Book: 14,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja
Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © Piper Verlag

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