Alex Finlay - Good Night Pretty Girl


Der Mörder lässt immer ein Opfer am Leben. Sein Abschiedsgruß: »Good night, pretty girl ...«

Inhaltsangabe:

Silvester 1999. Vier Mädchen werden bei der Arbeit in einer Videothek überfallen; nur eines lässt der Killer am Leben. Fünfzehn Jahre später werden in derselben Kleinstadt drei Teenager während ihrer Nachtschicht in einer Eisdiele erstochen, und erneut verschont der Täter die vierte von ihnen. Auch ihr flüstert er seinen Abschiedsgruß ins Ohr: »Good night, pretty girl.« Nach dem ersten Fall hatte die Polizei rasch einen Verdächtigen, den Freund eines der Opfer. Doch der junge Mann konnte fliehen und ist seither verschwunden. Nun führt der neuerliche Albtraum drei Menschen bei der Suche nach der Wahrheit zusammen: die einzige Überlebende des ersten Massakers, den Bruder des mutmaßlichen Täters von 1999 und die FBI-Agentin Sarah Keller, die in die abgründigen Geheimnisse von zwei Mordnächten eintauchen muss ...
___________________

Zwei Nächte, fünfzehn Jahre voneinander getrennt, und doch durch etwas Unaussprechliches verbunden. „Good night, pretty girl“ entfaltet seine düstere Sogwirkung leise, fast beiläufig, bevor die Geschichte den Leser erbarmungslos hineinzieht. Was einst als vermeintlich abgeschlossener Albtraum begann, kehrt mit grausamer Präzision zurück und reißt alte Wunden auf, die nie wirklich verheilt sind.

Der Roman springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen verschiedenen Perspektiven, und genau darin liegt seine Stärke. Die Puzzleteile fügen sich langsam zusammen, manchmal vorhersehbar, manchmal überraschend, stets getragen von einem präzisen, schnörkellosen Stil und einem Tempo, das kaum Raum zum Durchatmen lässt. Zwar lässt das Ende nicht jede Frage verstummen, doch gerade diese Unvollständigkeit passt zur Grundstimmung des Buches: Wahrheit ist selten sauber, Schuld nie eindeutig.

Besonders die Charaktere tragen die Geschichte: komplex, widersprüchlich, zutiefst menschlich. Ella, gezeichnet von dem, was sie erlebt hat, bleibt eine ebenso faszinierende wie irritierende Figur. Jemand, der helfen will und doch immer wieder falsche Entscheidungen trifft. Ihre innere Zerrissenheit macht sie glaubwürdig, aber nicht unbedingt sympathisch. Ganz anders FBI-Agentin Sarah Keller, die mit stoischer Entschlossenheit und scharfem Blick ermittelt, selbst als ihr eigenes Leben an einem Wendepunkt steht. Dass sie sich unbeirrt in die Dunkelheit begibt, verleiht der Geschichte zusätzliche Dringlichkeit und ein leicht verstörendes Element von Opferbereitschaft.

Alex Finlay versteht es meisterhaft, Spannung aus Wiederholung und Abweichung zugleich zu erzeugen. Bekannte Muster tauchen wieder auf, doch nie exakt gleich. Genug, um zu beunruhigen, genug, um Zweifel zu säen. Täter oder Nachahmer? Wahrheit oder bequeme Lüge? Die Handlung lebt von diesen Unsicherheiten und von Figuren, die alles andere als eindeutig sind. Niemand bleibt moralisch unangetastet, nicht einmal jene, die einst überlebt haben.

Persönliches Fazit: Ein vielschichtiger Thriller über Erinnerung, Schuld und die Narben, die Gewalt hinterlässt. Finlay beweist erneut sein Gespür für komplexe Plots und atmosphärische Dichte. Trotz kleiner Schwächen bleibt ein fesselndes Leseerlebnis, das lange nachhallt und einen mit dem unangenehmen Gefühl zurücklässt, dass manche Nächte niemals wirklich enden. Clever konstruiert!
___________________

Bibliografie:

Autor: Alex Finlay
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442495702
Reihe: -
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 21.01.2026
Seitenanzahl: 400
Format: Print: 13,00 € / E-Book: 11,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © Goldmann Verlag

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für deine Nachricht!