"Kleines Mädchen, nimm dich in Acht. Der schwarze Rabe über dich wacht."
Inhaltsangabe:
Sie sagten, unser Dorf sei zu klein, um der Tocerasplage zum Opfer zu fallen. Sie haben sich geirrt. Die heuschreckenähnlichen Wesen haben sich in unseren Mauern eingenistet. Wenn der Winter vorüber ist, werden unsere Vorräte verschwunden und unsere Häuser nur noch Ruinen sein. Wenn überhaupt jemand von uns überlebt, wäre das ein Wunder. Unsere einzige Hoffnung ist der Rabenkönig – eine Legende, ein Flüstern im Dunkeln. Noch hat ihn niemand gefunden. Doch ausgerechnet ich, die nicht an ihn glaubt, soll ihn suchen. Aber was, wenn es ihn nicht gibt?
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Von Beginn an liegt eine bedrückende Atmosphäre über der Handlung. Ein kleines Dorf, gefangen im Griff der skrupellosen Toceras, Wesen so fremdartig wie gnadenlos, deren bloße Präsenz den Alltag in ein zermürbendes Überleben verwandelt. Ihre Herkunft bleibt lange ein Rätsel, ihr Handeln umso erschreckender. Sie nehmen, bestrafen, zerstören, und lassen den Menschen nichts als Angst und die dünne Hoffnung, dass alte Geschichten vielleicht doch mehr sind als leere Worte.
Im Zentrum steht Leonore, genannt Leo: keine strahlende Heldin, sondern eine junge Frau voller Zweifel, Wut und Entschlossenheit. Ausgerechnet sie, die Legenden für nichts als Märchen hält, wird zur Trägerin dieser letzten Hoffnung. Die Ich-Perspektive lässt uns ihre inneren Kämpfe hautnah miterleben, ihre Fehler, ihre Skepsis, ihren unbändigen Willen, sich nicht kampflos zu beugen. Gerade weil sie nicht perfekt ist, wirkt sie so nahbar. Leo ist eine Figur, die wächst, stolpert und trotzdem weitergeht. Sie hat mir damit ziemlich imponiert.
Über allem schwebt der Rabenkönig – ein Name, fast wie ein Flüstern, eine vergessene Erinnerung. Gedichte und Legenden ranken sich um ihn, und mit jeder Seite wächst die Frage, ob er Erlösung oder nur eine Illusion ist. Etwa ab der Mitte nimmt diese Legende immer mehr Raum ein, die Handlung schlägt eine neue Richtung ein, und Hoffnung wird greifbarer, ohne ihre Gefährlichkeit zu verlieren.
Die Geschichte entfaltet sich ruhig, beinahe quälend langsam, indem sie den Dorf-Alltag unter der Herrschaft der Toceras schildert. Diese Passagen sind verstörend und faszinierend zugleich, denn sie zeigen, was es bedeutet, Freiheit zu verlieren, ohne sie je wirklich aufzugeben. Reime, Lieder und alte Erzählungen weben sich dabei wie leise Zauber durch den Text und verleihen dem Ganzen einen düsteren, märchenhaften Klang.
Nicht alles ist vollkommen rund. Manche Entwicklungen wirken abrupt, manche Sätze stolpern, und das Ende hinterlässt gemischte Gefühle – ein wenig zu einfach, ein wenig zu schnell, mit offenen Fragen, die nicht jeden zufriedenstellen werden. Und doch bleibt am Schluss kein Ärger oder Missmut, sondern dieses seltsame, warme Gefühl, etwas ganz Besonderes gelesen zu haben.
Persönliches Fazit: Unterm Strich ist BLACK WINGS eine mitreißende, atmosphärisch dichte Fantasy-Geschichte mit starken Märchen-Vibes, düsteren Bildern, Herz und Spannung. Ein Buch, das man in wenigen Tagen verschlingt und dessen Rabenruf noch lange nachhallt. Eine Empfehlung für alle, die die Dunkelheit lieben und trotzdem an helle Wunder glauben wollen.
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Bibliografie:
Autorin: Chrissy Em Rose
Verlag: Drachenmond
ISBN: 978-3959917872
Reihe: -
Genre: Fantasy
Erscheinungsdatum: 31.10.2025
Seitenanzahl: 354
Format: Print: 25,00 € / E-Book: 8,99 €
Leseprobe: -
Leseexemplar: Ja
Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © Drachenmond Verlag

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