Yasmin Shakarami - Schattenlicht



Unser Herzschlag – fernab vom Lärm der Welt

Inhaltsangabe:

Billie ist sich sicher, in Jamie – dem faszinierenden, gut aussehenden Kanadier, den sie vor knapp acht Monaten kennengelernt hat – ihre große Liebe gefunden zu haben. Um in seiner Nähe zu sein, beschließt sie, ihr letztes Schuljahr bei ihrer Tante Floh in Maple Ridge zu verbringen – einer Kleinstadt, umgeben von nebelverhangenen Bergen und düsteren Wäldern. Kaum in Kanada angekommen, trifft Billie auf den geheimnisvollen Tristan. Zunächst fürchtet sie sich vor dem Jungen, den alle bloß »Zombie Boy« nennen, doch bald schon erfährt sie, dass er seit einem schweren Schicksalsschlag nicht mehr derselbe ist. Während Billie sich langsam mit Tristan anfreundet, kommt es zu ersten Spannungen zwischen ihr und Jamie – und das Bild des perfekten Traumprinzen beginnt zu bröckeln. Und dann ist da noch das mysteriöse Verschwinden eines Mädchens, das ganz Maple Ridge in Schrecken versetzt ...
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Billies Entscheidung wirkt zunächst wie der Inbegriff jugendlicher Romantik: Für die große Liebe verlässt sie alles Vertraute, folgt einem Versprechen ans andere Ende der Welt, hinein in eine Kleinstadt, die sich wie ein lebendiger Schatten um sie legt. Nebel hängt zwischen den Bäumen, die Wälder wirken nicht nur düster, sondern beinahe lauernd. Und genau hier beginnt das Unbehagen, das sich leise, aber unerbittlich durch jede Seite zieht. Denn schnell wird klar: Diese Geschichte will nicht nur von Liebe erzählen. Sie zerlegt sie.

Jamie, der perfekte Traumprinz, beginnt zu bröckeln. Nicht mit einem großen Knall, sondern mit ganz feinen Rissen. Kleine Irritationen, Ungereimtheiten, ein Gefühl, das sich nicht abschütteln lässt. Was zunächst wie romantische Hingabe erscheint, kippt zunehmend in etwas Unheimliches. Manipulation, Selbsttäuschung, vielleicht sogar Macht – Themen, die sich unaufdringlich, aber wirkungsvoll in die Handlung schleichen. Gerade hier liegt eine der größten Stärken des Romans: Er zeigt, wie leicht man sich in einer Idee von Liebe verlieren kann, ohne zu merken, wie sehr man sich selbst dabei aufgibt.

Parallel dazu entfaltet sich eine zweite, fast noch eindringlichere Ebene: die Begegnung mit Tristan, dem sogenannten „Zombie Boy“. Was anfangs abschreckend wirkt, entwickelt sich zu einer der emotionalsten Dynamiken der Geschichte. Hinter seinem verstörenden Ruf verbirgt sich mehr Wahrheit als hinter all den schönen Worten, die Billie so bereitwillig geglaubt hat. Doch auch diese Beziehung bleibt nicht frei von Kritik. Sie ist leiser, weniger explosiv, aber vielleicht gerade deshalb nicht ganz so überzeugend in ihrer Intensität.

Über allem liegt die bedrückende Spannung eines verschwundenen Mädchens. Dieser Handlungsstrang verleiht dem Roman eine fast thrillerartige Qualität. Misstrauen wächst, Theorien entstehen, und als LeserIn beginnt man selbst zu zweifeln: Was ist real? Wem kann man trauen? Die Atmosphäre ist dabei so dicht, dass sie stellenweise an einen Fiebertraum erinnert – wunderschön beschrieben, beinahe poetisch, und doch durchzogen von einer konstanten Bedrohung.

Yasmin Shakarami gelingt es, ein beeindruckendes Spektrum an Emotionen zu entfesseln: Liebe, Angst, Wut, Hoffnung – alles ist da, oft gleichzeitig, oft widersprüchlich. Genau das macht das Buch so fesselnd, aber auch so unbequem. Es ist keine einfache Wohlfühlgeschichte, auch wenn sie sich anfangs so tarnt.

Persönliches Fazit: Was als zarte Liebesgeschichte beginnt, entfaltet sich zu einem beklemmenden Strudel aus Illusion, Angst und schmerzhafter Erkenntnis. Am Ende ist Schattenlicht weit mehr als eine Coming-of-Age-Romanze. Es ist eine kritische Auseinandersetzung mit Idealen, mit Selbstfindung und mit der dunklen Seite von Gefühlen, die wir allzu gern verklären. Ein Buch, das verführt und dann den Boden unter den Füßen wegzieht.
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Bibliografie:

Autorin: Yasmin Shakarami
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570167366
Reihe: -
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 11.03.2026
Seitenanzahl: 464
Format: Print: 18,00 € / E-Book: 12,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © cbj Verlag 


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