Inhaltsangabe:
Zwölf Jahre ist es her, dass sich Carrie und Johan in einer Sommernacht in Thailand das Jawort gaben. Und dass Männer den Strand stürmten und Johan verhafteten. Carrie hat ihn nie wiedergesehen: ihre große Liebe, mit der sie nur einen Abend verheiratet war. Heute führt Carrie mit ihrem Mann Robin und ihren sechsjährigen Zwillingen ein unaufgeregtes, behütetes Leben auf dem englischen Land. Doch dann stolpert sie über einen Internetbeitrag, der ihr klar macht, dass Johan auf freiem Fuß ist und in Schweden lebt. Sofort sind sie wieder da, die Erinnerungen an ihre intensive, leidenschaftliche Beziehung. Und die Erinnerungen an den Schmerz. Carrie muss herausfinden, was damals geschah, selbst wenn das bedeutet, alles aufs Spiel zu setzen, was ihr lieb ist …
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Was als zarte Liebesgeschichte beginnt, entpuppt sich schleichend als ein Abgrund aus Erinnerungen, Zweifel und unbequemen Wahrheiten. Rosie Walsh lockt ihre Leser zunächst auf vertrautes Terrain: große Gefühle, schicksalhafte Begegnungen, ein Versprechen von „für immer“. Doch wer sich darauf verlässt, wird überrascht und vielleicht auch ein wenig vor den Kopf gestoßen. Denn lange wirkt alles beinahe zu harmlos. Der Einstieg zieht sich, fast trügerisch ruhig, als wolle der Roman testen, wie viel Geduld man aufzubringen bereit ist.
Carrie wirkt zunächst wie gefangen in einem Leben, das zwar sicher, aber auch seltsam gedämpft wirkt. Die einst leidenschaftliche Frau scheint hinter Alltag, Ehe und Mutterschaft zu verschwinden. Auch die Männer an ihrer Seite bleiben zunächst blass, fast austauschbar.
Doch dann kippt etwas ...
Mit einem Mal verschiebt sich der Ton. Aus einer vermeintlich klassischen Liebesgeschichte wächst ein Spannungsroman, der seine Fäden geschickt über zwei Zeitebenen spannt. Vergangenheit und Gegenwart beginnen sich zu verhaken, Erinnerungen werden brüchig, Gewissheiten lösen sich auf. Was damals geschah, ist längst nicht so eindeutig, wie es zunächst suggeriert wurde. Und genau hier entfaltet das Buch seine eigentliche Sogwirkung.
Die Rückblenden tragen eine intensive, fast schmerzhafte Nähe in sich. Eine Liebe, die sich unausweichlich anfühlt, aber gleichzeitig von Anfang an unter einem dunklen Vorzeichen steht. Die Gegenwart hingegen ist durchzogen von unterschwelliger Unruhe: ein Leben, das weiterging, obwohl etwas Entscheidendes nie abgeschlossen wurde. Dieses Spannungsfeld hält den Roman zusammen und treibt ihn unermüdlich voran.
Walsh versteht es, Emotion und Suspense miteinander zu verweben. Immer wieder streut sie Wendungen ein, die überraschen, manchmal auch irritieren. Nicht jede davon wirkt vollkommen überzeugend; an einigen Stellen scheint die Handlung fast bemüht, dramatischer zu sein, als sie es tatsächlich ist. Dennoch bleibt der Lesefluss erstaunlich stabil – getragen von der konstanten Frage: Was ist damals wirklich passiert?
Und dann, wenn man sich vielleicht schon fast damit abgefunden hat, dass die Geschichte leise vor sich hinplätschert, kommt DER Moment, in dem alles explodiert. Geheimnisse brechen auf, Figuren zeigen plötzlich neue, dunklere Facetten, und die Spannung erreicht einen Punkt, an dem Aufhören keine Option mehr ist. Ich habe mich gefragt, warum das Buch so lange gebraucht hat, um dorthin zu gelangen.
Persönliches Fazit: Vielleicht ist es weniger die Liebesgeschichte als vielmehr die Reise einer Frau, die sich ihrer eigenen Vergangenheit stellt und dabei gezwungen ist, sich selbst neu zu begegnen. Zwischen Verlust, Sehnsucht und der Suche nach Wahrheit entfaltet sich ein Roman, der nicht immer perfekt ist, aber genau darin seine Wirkung entfaltet: widersprüchlich, emotional und stellenweise unbequem.
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Bibliografie:
Autorin: Rosie Walsh
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442497065
Reihe: -
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 22.04.2026
Seitenanzahl: 496
Format: Print: 16,00 € / E-Book: 12,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja
Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © Goldmann Verlag

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