Federico Axat - Der Tag, an dem ich sterbe

Wenn ein romantisches Dinner tödlich endet

Inhaltsangabe:

Bei einem romantischen Abendessen ermordet Anna ihren Freund. Danach verschwindet sie spurlos und hinterlässt nur einen einzigen Hinweis: ein Notizbuch, darin ein Datum. Gute zwei Jahre später, an ebenjenem Datum, wird Anna bewusstlos am Ufer eines Sees gefunden und erinnert sich weder an den Mord noch daran, wo sie all die Zeit gesteckt hat. In einer nahegelegenen psychiatrischen Klinik wird Anna von Dr. Julia Katz in Behandlung genommen. Doch Dr. Katz ist überzeugt, dass Anna die Antworten, die sie so dringend braucht, hier nicht finden wird. Also hilft sie ihr bei der Flucht aus der Klinik. Anna aber kommen Zweifel: Warum ist Dr. Katz so uneingeschränkt auf ihrer Seite? Und warum behandelt sie Anna, als würde sie sie schon jahrelang kennen?
___________________

Schon nach den ersten Seiten war ich genauso orientierungslos wie Anna - und genau das ist die größte Stärke dieses Thrillers. Gemeinsam mit Anna tastet man sich durch eine Geschichte, in der nichts so ist, wie es zunächst scheint. Ausgehend von einem rätselhaften Mord, einer zweijährigen Erinnerungslücke und einer Psychiaterin, deren Hilfsbereitschaft fast zu gut wirkt, entfaltet sich ein Thriller, der mich immer wieder an meinen eigenen Schlussfolgerungen zweifeln ließ.

Federico Axat serviert uns die Wahrheit nicht auf dem Silbertablett. Stattdessen setzt er Stück für Stück ein Puzzle zusammen, dessen Bild sich ständig verändert. Mit jedem Kapitel glaubte ich, einen Schritt näher an die Lösung zu kommen, nur um kurz darauf festzustellen, dass ich erneut in die Irre geführt wurde. Das machte die Lektüre unglaublich fesselnd.

Besonders beeindruckt hat mich, wie geschickt Axat psychologische Spannung mit fantastischen Elementen verbindet. Erinnerungen, Identität, Zeit und Realität verschwimmen immer stärker miteinander. Dabei bewegt sich die Geschichte irgendwo zwischen Psychothriller, Mystery und Science-Fiction, ohne jemals ihre emotionale Seite zu verlieren. Themen wie Familie, Liebe und Schuld verleihen der Handlung zusätzlich Tiefe und sorgen dafür, dass es nicht nur um das große Rätsel geht, sondern auch um die Menschen dahinter.

Allerdings verlangt dieses Buch seinem Leser einiges ab. Immer wieder musste ich innehalten, zurückblättern und das Gelesene gedanklich neu sortieren. Gerade ab der zweiten Hälfte wird der Plot zunehmend komplexer und entwickelt sich in eine Richtung, mit der ich anfangs überhaupt nicht gerechnet hätte. Manche Ideen fand ich dabei absolut genial, andere wirkten auf mich etwas überambitioniert. Vor allem einige Erklärungen zum Ende hin konnten mich nicht vollständig überzeugen. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, dass der Autor zu viele große Ideen gleichzeitig unterbringen wollte.

Trotzdem überwiegt für mich ganz klar das Positive. Axat besitzt einen unverwechselbaren Schreibstil, der trotz der komplexen Handlung angenehm flüssig bleibt. Die Atmosphäre ist durchgehend geheimnisvoll, die Wendungen überraschen selbst dann noch, wenn man glaubt, das Spiel durchschaut zu haben. Anna ist eine starke, vielschichtige Protagonistin, deren Verwirrung und Verzweiflung jederzeit glaubwürdig wirken, sodass ich ihre Suche nach der Wahrheit förmlich miterlebt habe.

Persönliches Fazit: Dieses Buch ist definitiv kein gewöhnlicher Thriller. Wer eine geradlinige Kriminalgeschichte erwartet, wird vermutlich überrascht sein. Wer jedoch Freude an außergewöhnlichen Ideen und psychologischen Rätseln hat, sollte diesem Roman unbedingt eine Chance geben. Auch wenn für mich nicht jede Entscheidung des Autors aufgegangen ist, bleibt am Ende vor allem eines: das Gefühl, etwas wirklich Originelles gelesen zu haben.
___________________

Bibliografie:

Autor: Federico Axat
Verlag: btb
ISBN: 978-3442775132
Reihe: -
Genre: Psychothriller
Erscheinungsdatum: 10.06.2026
Seitenanzahl: 448
Format: Print: 18,00 € / E-Book: 12,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © btb Verlag 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für deine Nachricht!