Inhaltsangabe:
L.A., Venice Beach: Im International Hostel bleibt vom Glamour der Strandpromenade wenig übrig. In der heruntergekommenen Absteige treffen Backpacker aus verschiedenen Nationen aufeinander. Viele sind auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit – und manche von ihnen hüten ein dunkles Geheimnis. Tommy, den seine eigenen düsteren Erinnerungen hierhergetrieben haben, jobbt im Hostel und kennt seine zwielichtigen Gäste. Wie Savannah, die aus gutem Grund einen Revolver unter ihrem Kopfkissen versteckt, oder der undurchsichtige Krankenpfleger Eric. Tommy ahnt, dass Eric vor nichts zurückschreckt und dass jedem Gefahr droht, der ihm zu nahe kommt ...
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Schon nach den ersten Seiten war ich froh, nie in einem Hostel wie diesem abgestiegen zu sein. Hinter der Kulisse von Sonne, Strand und Freiheit lauert hier etwas ganz anderes: Menschen mit Narben, Geheimnissen und Geschichten, die sie lieber für sich behalten würden. Und genau das macht den Reiz dieses Thrillers aus.
John Marrs wirft eine ganze Reihe von Figuren in einen Topf und lässt ihre Schicksale langsam miteinander kollidieren. Anfangs hatte ich kurz Sorge, bei den vielen Namen und Perspektiven den Überblick zu verlieren, doch jede Figur bringt so viel Persönlichkeit und eine eigene Vergangenheit mit, dass sie schnell greifbar wird. Nach und nach enthüllen sich ihre Geheimnisse, ihre Verbindungen und die Gründe, warum sie ausgerechnet an diesem Ort gelandet sind.
Besonders gelungen fand ich die Erzählweise. Die Handlung springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen unterschiedlichen Blickwinkeln und Zeitebenen. Dadurch entsteht ein ständiges Gefühl von Unsicherheit, denn niemand scheint die ganze Wahrheit zu erzählen. Jede neue Enthüllung verändert das Bild ein Stück weit und lässt die eigenen Theorien wieder zusammenbrechen. Und genau das hat mich förmlich durch die kurzen Kapitel gejagt.
Dabei lebt das Buch weniger von einer einzelnen großen Geschichte als von den vielen kleinen Geschichten seiner Figuren. Manche Handlungsstränge haben mich komplett gefesselt, andere wirkten etwas konstruiert oder hätten für meinen Geschmack mehr Raum verdient. Trotzdem schafft Marrs es, selbst zwielichtigen oder unsympathischen Charakteren eine menschliche Seite zu geben. Mehr als einmal ertappte ich mich dabei, mit Personen mitzufühlen, die ich eigentlich längst abgeschrieben hatte.
Spannung, Drama und überraschende Wendungen sind reichlich vorhanden. Nicht jede davon hat mich völlig umgehauen, einige waren sogar ziemlich überzogen, aber irgendwie passte genau das zu dieser Geschichte voller moralischer Grauzonen, tragischer Schicksale und explosiver Geheimnisse. Neben düsteren und beklemmenden Momenten gab es sogar Szenen, die mich zum Schmunzeln brachten, bevor die nächste Katastrophe um die Ecke bog.
Persönliches Fazit: Auch wenn mir im Vergleich zu meinen Lieblingsbüchern von John Marrs ein wenig die große, alles verbindende Rahmenhandlung gefehlt hat, wurde ich bestens unterhalten. Ein temporeicher, atmosphärischer Thriller mit einem außergewöhnlichen Figurenensemble, der mich bis zum Ende bei der Stange gehalten hat. Und eines steht fest: Nach dieser Lektüre klingt ein günstiges Hostel in Strandnähe deutlich weniger verlockend als zuvor (grins).
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Bibliografie:
Autor: John Marrs
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-42886-7
Reihe: -
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10.06.2026
Seitenanzahl: 592
Format: Print: 18,00 € / E-Book: 15,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

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