Benedikt Gollhardt - Westwall

Deutsche Geschichte verpackt in einem spannenden Polit-Thriller.

Inhaltsangabe:

Manche Spuren führen tiefer in die Vergangenheit, als uns lieb ist …
 

Scheinbar zufällig lernt Polizeischülerin Julia den attraktiven Nick kennen. Doch nach der ersten gemeinsamen Nacht entdeckt sie, dass er ihr einen falschen Namen genannt hat und ein riesiges Hakenkreuz-Tattoo auf dem Rücken trägt. Julia ist geschockt – warum hat Nick sie angelogen? Mit einem Mal gerät ihr Leben in einen alptraumhaften Strudel, der droht, ihr alles zu nehmen, was ihr lieb ist. Die Suche nach der Wahrheit führt Julia in die menschenleeren Wälder der Eifel bis hin zum Westwall, einem alten Verteidigungssystem aus dem Zweiten Weltkrieg. Und damit zurück in ihre eigene Vergangenheit ...

Mit seinem Debüt »Westwall« beweist Benedikt Gollhardt auf überzeugende und mitreißende Weise, dass ein Thriller erschreckend aktuell und gleichzeitig hochspannend sein kann.

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Dieses Buch beginnt langsam, beinahe unheilvoll kriechend, wie die elektrisierende Ruhe vor dem Sturm. Man spürt von Anfang an, dass etwas Großes über einen hereinbrechen wird, und ehe man sich dieser Kraft bewusst wird, ist es bereits geschehen. Man bewegt sich auf allen Vieren in einem gut durchdachten Netz aus Täuschungen und Überraschungen, immer auf der Hut davor, welche Wendung hinter dem nächsten Faden lauert. Ein Pluspunkt für den Autor, der mich mit diesem Verwirrspiel an seinen Thriller gefesselt hat. Und an seine Hauptprotagonistin.

Julia ist Polizeianwärterin, befindet sich also noch in ihrer Ausbildung. Sie ist voller typischer Ideale, wirkt stellenweise gerade deswegen etwas naiv und unbeholfen. Fast so, als konnte ihr das Leben bisher nicht viel anhaben – abgesehen von einem pflegebedürftigen Vater. Ein Kontrast zu ihr stellt Nick dar, ein weiterer Protagonist, mit dem Julia intim wird und dessen riesiges Hakenkreuztattoo sie im Zuge ihrer Bettgeschichte auf seinem Rücken entdeckt. Als sie zudem seinen Personalausweis findet und feststellt, dass er ihr gegenüber einen falschen Namen angab, ist ihr Misstrauen geweckt. Hals über Kopf flüchtet sie aus der Wohnung und löst zugleich eine Kette von Ereignissen aus. Spannend fand ich hierbei den familiären Hintergrund, denn offenbar ist ihr eigener Vater in diese abstruse Geschichte verwickelt und reagiert ziemlich panisch auf ihren Bettgefährten. Um ihr auf den Grund zu gehen, begibt Julia sich auf den Weg in die dunklen Wälder der Eifel. Zum Westwall.

Inzwischen wusste Julia, dass es in der Welt war. Und jetzt war es ganz nah, hier, in diesem Wald. Es hatte über eine lange Zeit geschlafen, war von einer weichen Moosschicht überwuchert worden wie die Reihen der alten Betonbuckel zwischen den riesigen Buchen. Es war erwacht, es wuchs wieder, und es wurde stärker. Und Julia spürte: Das Böse hatte sie im Visier. (Zitat Seite 8)

Radikalismus als Hauptthema beinhaltet ein Stück deutsche Geschichte. Dabei rückt der Autor jedoch nicht die politischen Ambitionen und Strategien in den Fokus, sondern vielmehr die zwischenmenschlichen Aspekte. So erfahren wir in mehreren Kapiteln und mit Hilfe von Rückblenden etwas über die einzelnen Charaktere, deren Motivationen und Entwicklungen. Auch wer sich bisweilen nicht ausführlich mit dem Verfassungsschutz beispielsweise, dem Faschismus oder der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts im deutschsprachigen Raum befasst hat, wird problemlos durch den Plot manövriert. Benedikt Gollhardt nutzt den Duktus passend und bedient sich eines leicht verständlichen und flüssigen Stils mit Verzicht auf schlauchende Formulierungen. Man merkt deutlich, wie viel Authentizität der Autor in sein Werk gesteckt hat. So kann man im Anhang ein Interview nachlesen, in dem es um die Entstehung des Buches geht. Er hat viel Zeit in seine Recherchearbeit einfließen lassen und sich mit den einzelnen Personengruppen auseinandergesetzt.

Persönliches Fazit: „Westwall“ war nicht nur ein über 630 km verteiltes militärisches Verteidigungssystem, das entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches gebaut wurde, sondern ist außerdem ein rundum gelungenes und überzeugendes Thriller-Debüt ... und zugleich ein überaus zeitgemäßer Lesestoff. Eine Empfehlung u.a. an Freunde von Polit-Thrillern mit aktuellem Bezug. 

© Recensio Online, Rezension, 2019, Julie
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Bibliografie:

Autor: Benedikt Gollhardt
Verlag: penguin / ISBN: 978-3-3281-0412-4
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 25.03.2019
Seitenanzahl: 496
Format: Broschiert: 15,00 € / E-Book: 9,99 €
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Reihe: -
Leseexemplar: Ja
 

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