Belinda Bauer - Die verlassenen Kinder


Mit allen Mitteln für Gerechtigkeit

Inhaltsangabe:

»Bleibt im Auto. Ich bin gleich wieder da.« Das sind die letzten Worte, die der elfjährige Jack von seiner Mutter hört. Bis sie zurückkommt, soll er auf seine beiden kleinen Schwestern aufpassen. Doch sie kommt nicht zurück, sondern wird bald darauf ermordet aufgefunden. Jahre später ist der Täter noch immer nicht gefasst, und Jack trägt noch immer die Verantwortung für Joy und Merry. Mit Einbrüchen hält er sich und seine Schwestern über Wasser. Als er endlich auf die entscheidende Spur stößt, ist er fest entschlossen, den Mord an seiner Mutter zu rächen …
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Nachdem die Leiche ihrer Mutter auftaucht, verschwindet auch noch der Vater und lässt die drei Kinder Jack, Joy und Merry im Stich.
Jack ist der älteste der drei Geschwister und übernimmt fortan die Verantwortung für den Rest seiner Familie, die völlig auf sich allein gestellt ist.
Er wahrt den Schein, dass alles in Ordnung ist, um niemanden auf die zurückgelassenen Kinder aufmerksam zu machen, und versucht sich und die Mädchen mit Diebstählen über Wasser zu halten. Doch bei einem seiner Streifzüge entdeckt er etwas, das einen Hinweis auf den Mörder seiner Mutter gibt, und setzt alles daran, die Wahrheit herauszufinden.
Getrieben von Wut und Rachlust versucht er, den Mörder zu überführen und sich zu rächen, doch das stellt sich als schwierig und vor allem gefährlich heraus. Außerdem darf er in seiner Wut nicht vergessen, dass es seine "Pflicht" ist, für die Mädchen zu sorgen. So muss er also einen anderen Weg finden, um Gerechtigkeit zu erfahren.

Die Geschichte beginnt 1998, als die Mutter der Kinder nach einer Autopanne beschließt, Hilfe zu holen und die Verantwortung für die kleineren Geschwister dem elfjährigen Jack überträgt.
Dieser Einstieg ist bereits erschütternd, und man fühlt mit Jack, der versucht, das Richtige zu tun, um seine Schwestern zu schützen, und damit eine sehr große Last auf seine jungen Schultern lädt.

Zitat S. 203:
Manchmal fühlte es sich an, als wäre er niemals von dieser Straße weggekommen. Oder von diesem Tag. Als säße er dort fest, seit seine Mutter verschwunden war, und alles, was seit dem passiert war, wäre ein Traum gewesen, eine Fata Morgana, ein falsches Leben, aus dem er nicht hinausfand.


Drei Jahre später geht es in einem weiteren Erzählstrang um die hochschwangere Catherine, die einen merkwürdigen Besuch eines Einbrechers zu verdauen hat.
In einem dritten geht es um die Polizei, die versucht, eben diesen Einbrecher, dem sie den Namen "Goldlöckchen" (nach einem Märchen über einen Dieb) geben, zu überführen.

Auch wenn die einzelnen Perspektiven interessant und gut zu lesen sind, ist doch erst einmal unklar, in welcher Verbindung diese jeweiligen Situationen stehen. Die Geschichte und damit auch der Spannungsbogen bauen sich langsam auf, und erst zur Mitte des Buches fängt man an, den Kontext zu verstehen. Hier spitzt sich dann auch die Lage zu und es wird brenzlig für Jack.

Zitat S. 240:
So was Blödes, dachte er, während er langsam an der Wand hinabrutschte und mit der Nase aufkam, mit den Lippen, der Wange, dem Ohr ... So was Blödes, mir die Verantwortung zu überlassen.


Die Autorin schafft es gut, Emotionen zu vermitteln, und so konnte ich viele Empfindungen gut nachvollziehen.
Wie für einen Kriminalroman üblich, findet man hier keine blutigen Killerszenen, sondern eine gut konstruierte Story über das Schicksal von Jack und seinen Schwestern, das ab der Mitte auch viel Spannung in die unorthodoxe Ermittlung bringt.

Persönliches Fazit: Ein erschütternder Krimi über das Schicksal von Kindern, die von allen im Stich gelassen wurden und nun um Gerechtigkeit kämpfen. Wirklich lesenswert.
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Bibliografie:

Autorin: Belinda Bauer
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-49054-7
Reihe: -
Genre: Kriminalroman
Erscheinungsdatum: 15.06.2020
Seitenanzahl: 464
Format: TB: 10,00 € / E-Book: 9,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © Recensio Online, Daniela
Cover Original: © Goldmann, Random House
Grafikgestaltung: Sabrina

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