Andreas Gruber - Der fünfte Erzengel

„Die Eichentür ragt wie ein Grabmal aus den Holzdielen“ (Pos. 793)

Inhaltsangabe:

Andreas Gruber serviert ein deftiges 15-Gänge-Menü phantastischen Schreckens und menschlicher Abgründe. Treten Sie ein in Friedhöfe, Nervenheilanstalten, verlassene Herrenhäuser und düstere Altbauten, in denen der Wahnsinn nistet. Seien Sie gefasst auf ein unheimliches Brüderpaar, einen geheimnisvollen Fahrstuhl, eine heimtückische Seuche, eine tödliche Buchpräsentation, einen verhängnisvollen Urlaub in das Herzen Marokkos und den finalen Horror biblischen Ausmaßes.

BEI ANDREAS GRUBER IST ALLES MÖGLICH!

"Nach der Lektüre bin ich einfach nur froh, nicht Andreas Grubers Bruder zu sein. Oder seine Frau. Warum? Lassen Sie sich überraschen." [Boris Koch]
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15 erschreckende Geschichten, von Horror bis Phantastik

Das Buch handelt von erfolglosen Künstlern, die ihren eigenen Status verraten und doch auf dem besten Wege sind, den Freitod zu wählen. Es erzählt von einem sensationsbegeisterten Journalisten, der ein Geisterhaus besucht und sämtliche Warnungen in den Wind schlägt, wodurch er das Haus nie wieder verlassen wird. Grusel im Stile Edgar Allen Poes, das Spiel mit den Urängsten und natürlich eine große Portion Übernatürliches reichen sich hier die Klinke in die Hand.
Die Geschichten sind nicht miteinander vergleichbar. Sie wurden ursprünglich für unterschiedliche Ausgaben für ein Gruselmagazin geschrieben, als Gruber noch kein namhafter Autor gewesen ist. Dadurch sind die Geschichten mal atmosphärischer, mal eher von der Psyche her zum Schaudern, phasenweise auch humoristisch bis traurig und morbide.

Die Settings sind für die wenigen Seiten, die die Geschichten haben, unglaublich gut beschrieben, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren.
Die Charaktere sind dafür meist sehr oberflächlich gehalten. Oftmals weiß man am Ende der Geschichte nicht viel mehr außer Alter und Geschlecht, sodass die Figuren beliebig austauschbar sind. Das ist schade, da die Protagonisten nicht selten auch tragende Elemente sind. Findet man jemanden sympathisch, findet man jemanden bemitleidenswert wie den brotlosen Künstler, oder hat die Hauptfigur die Pluspunkte durch das arrogante Verhalten bereits verspielt, bevor die Geschichte richtig Fahrt aufnimmt?

Insgesamt wechseln sich Fantasie und Horror gekonnt ab, richtig gruselig wird es nie, das spielt sich eher in den eigenen Gedanken ab, aber es ist flüssig zu lesen und absolut unterhaltsam bis bewegend.

„Goethe schrieb 1810 in einem Brief an Friedrich Wilhelm Riemer, den Erzieher seines Sohnes, dass der Mensch sowohl körperlich als auch geistig nackt auf die Welt käme, weshalb die Kinderseele so empfindlich auf äußere Einflüsse reagiere.“ (Pos. 1423)

Ein besonderes Schmankerl ist das Vorwort, das schon fast einer eigenen Geschichte gleicht, aber auch sehr viel Persönliches von Andreas Gruber selbst verrät. Ein Vorwort, gerade für Gruber-Fans, das sich zu lesen lohnt.

Das Cover ist im typischen Luziferverlag-Stil: düster, atmosphärisch, bedrohlich – klasse! Ein Augenschmaus, der geradewegs in die Welt ruft: Ich will in die Hand genommen und gelesen werden!

Persönliches Fazit: Eigentlich bin ich kein Freund von Kurzgeschichten, da es nur wenige Autoren verstehen, Atmosphäre, Spannung, Logik und eine abgeschlossene Handlung in wenige Zeilen zu pressen, doch hier war ich großteils positiv angetan. Die längste Geschichte, der fünfte Erzengel, war für mich überraschenderweise sogar die schwächste Geschichte. Dennoch ist es für kurzweilige Lesestunden ein empfehlenswertes und abwechslungsreiches Buch!
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Bibliografie:

Autor: Andreas Gruber
Verlag: Luzifer Verlag
ISBN: 978-395835236-0
Reihe: Gruber Erzählbände Serie, Bd. 4
Genre: Horror, Phantastik
Erscheinungsdatum: 31.08.2017
Seitenanzahl: 388
Format: TB: 12,99 € / E-Book: 4,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja 


Rezension: © RO, Darren
Cover Original: © Luzifer Verlag
Grafikgestaltung: RO, Darren


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