Jihyun Yun - And The River Drags Her Down

Düsterer Fantasyroman trifft auf koreanische Mythologie

Inhaltsangabe:

Soojin kannte die Regeln: Bringe niemals etwas anderes als Kleintiere von den Toten zurück. Aber das war, bevor Mirae letzten Herbst im Fluss ertrank. Außer sich vor Trauer und Einsamkeit, nutzt Soojin die Magie ihrer Vorfahren, um ihre Schwester zurückzubekommen. Doch wieder unter den Lebenden wird Mirae es schnell leid, sich vor der Welt zu verstecken und ihren wachsenden Hunger nach Rache zu bekämpfen, der sie von innen zu verzehren droht …
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Jihyun Yun hat mit ihrem Debütroman eine unglaublich atmosphärische, lyrische und zugleich beklemmende Geschichte geschaffen. Im Mittelpunkt stehen Trauer, Einsamkeit, familiäre Liebe und die verzweifelte Unfähigkeit, einen geliebten Menschen loszulassen. Und genau deshalb konnte ich Soojins Entscheidungen so gut nachvollziehen. Wenn man die Möglichkeit hätte, einen geliebten Menschen zurückzuholen, wer würde wirklich behaupten, niemals darüber nachzudenken? Ich musste da auch sofort an meine eigene Schwester denken (solche Geschichten ziehen mich einfach magisch an, seufz). Naja, und ein wenig an Friedhof der Kuscheltiere.

Was daraus entsteht, ist emotional ziemlich zerstörerisch. Soojins Trauer, Schuldgefühle und Sehnsucht waren für mich jederzeit greifbar. Ich mochte vor allem, dass das Buch Trauer nicht als etwas darstellt, das irgendwann einfach verschwindet. Das wäre ja auch Quatsch. Stattdessen geht es darum, wie man mit einem Verlust weiterlebt, obwohl ein Teil von einem selbst am liebsten zurückgehen würde. Dazu kommt die Magie, die überraschend bodenständig wirkt. Die Geschichte fühlt sich trotz seiner übernatürlichen Elemente nicht wie klassische Fantasy an. Die Verbindung zum Wasser fand ich großartig. Regen, Fluss und Küste sind hier nicht bloß Kulisse, sondern das Wasser wird zu einer ständig präsenten, unheimlichen Bedrohung.

Überhaupt ist die Atmosphäre eine der größten Stärken des Romans. Alles wirkt kalt, nass, dunkel und irgendwie falsch. Der Horror kommt dabei nicht mit einem lauten Knall, sondern schleicht sich langsam heran. Genau das hat mir so gut gefallen. Gerade der Wasser-Horror war für mich eines der Highlights. Die Erzählung ist stellenweise bewusst langsam, was sicher nicht jedem gefallen wird, mir aber viel Raum für die Figuren und ihre Gefühle gegeben hat.

Stark fand ich zudem die Beziehung zwischen Soojin und Mirae. Sie ist das emotionale Herz der Geschichte – liebevoll, kompliziert und unglaublich schmerzhaft. Auch die Nebenfiguren bekommen durch verschiedene Perspektiven viel Tiefe. Mark mochte ich dabei besonders gern. Seine zarte, bittersüße Verbindung zu Soojin bringt immer wieder etwas Wärme in diese ansonsten sehr düstere Geschichte.

Dieses Buch handelt übrigens nicht einfach von der Wiederbelebung eines Menschen. Es geht um alte Wunden, Familiengeheimnisse, Schuld, Erinnerung und die Frage, wie weit wir aus Liebe gehen würden und wann wir dabei beginnen, uns selbst zu verlieren.

Persönliches Fazit: Ein melancholischer, unheimlich schöner Roman über Trauer, Schwesternschaft und die gefährliche Versuchung, einen geliebten Menschen einfach nicht gehen zu lassen. Dieses Buch hat mich erschreckt, traurig gemacht und mir stellenweise das Herz gebrochen. Gleichzeitig hat mich Yuns poetischer Schreibstil immer wieder begeistert. Für einen Debütroman ist das wirklich beeindruckend.
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Bibliografie:

Autorin: Jihyun Yun
Verlag: Arctis
ISBN: 978-3038802501
Reihe: -
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 09.09.2026
Seitenanzahl: 432
Format: Print: 24,00 € / E-Book: 18,99 €
Leseprobe: -
Leseexemplar: Ja

Rezension: © RO, Julie
Grafik: © RO, Sabrina
Cover Original: © Arctis Verlag



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