Simone Trojahn - Blutbrüder



Man kann die Vergangenheit nicht ändern, aber sich die Gegenwart zunutze machen.


Inhaltsangabe:

Sie sind Brüder. Durch ihre Adern fließt dasselbe Blut. Was sie eint, ist ihr Schicksal ... damals ... in ihrer Kindheit ... auf dem Dachboden ... Seither tobt in ihnen die Gier nach Zerstörung. Während der eine verzweifelt dagegen kämpft, hat sich der andere den sadistischen Gelüsten längst hingegeben. Ist der Blutstrom noch zu stoppen oder werden die Brüder am Ende darin ertrinken?

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Von der Nanny in Kindheitstagen schwer misshandelt, gehen die beiden Brüder Maik und Erik auf verschiedene Arten mit den Konsequenzen dieses Traumas um. Ihre Mutter Hannah weiß um den Alptraum, den ihre Söhne durchleben mussten, ist jedoch eine Meisterin im Verdrängen und hält die Fassade der heilen Familie aufrecht. Als Erwachsener versucht Maik, gegen seine Zerstörungswut anzukommen, sie zu bezwingen. Erik hingegen hat sich ein anderes Ventil geschaffen, was ihm jedoch so langsam nicht mehr reicht. Beide brauchen Blut, um weiterleben zu können, müssen zerstören, um sich selbst nicht zugrunde zu richten. Und dann werden sie von der Vergangenheit wieder eingeholt. Aber die Brüder wissen: Blut ist dicker als Wasser, nicht nur in einer Hinsicht.

Mit diesem Hardcore Thriller hat Simone Trojahn mal wieder gut vorgelegt. Auch hier gilt: Dieser Stoff ist nichts für Zartbesaitete. Es wird nichts beschönigt. Gnadenlos werden hier die Misshandlungen beschrieben; detailliert und knallhart. Auch die seelischen Konsequenzen kommen hier nicht zu kurz. 


Die Charaktere sind authentisch ausgearbeitet. Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben, ob sie nachvollziehbar handeln oder nicht, aber innerhalb des Rahmens der Geschichte passte alles.

Ich bin nach dem Lesen immer noch hin- und hergerissen, wie ich die Brüder einordnen soll. Gut? Schlecht? Oder ist Schwarz-Weiß-Denken hier fehl am Platz? Ich finde, ja. Man kann und soll nicht immer alles mit einer schlechten Kindheit begründen. Aber hier zeigt die Autorin, dass es immer mehrere Faktoren gibt, die einen Heranwachsenden beeinflussen. Nicht nur der Missbrauch an sich, sondern auch die Aufarbeitung innerhalb der Familie und der Rückhalt, den man dort erfährt (oder auch nicht) tragen einen wichtigen Teil bei. Man muss das Verhalten der Brüder allerdings weder verstehen noch verteidigen, um dieses Buch zu mögen.

Ich bin zwischen den Abscheulichkeiten kaum dazu gekommen, Luft zu holen, musste einfach weiterlesen. Ich konnte und wollte die Geschichte nicht erst sacken lassen und dann wieder einsteigen, sondern wollte es schnell hinter mir haben. Was ich dann aber bereut habe, denn ich hätte die Protagonisten und deren Entwicklungen gerne noch ein Weilchen verfolgt. 


Die Autorin schreckt wieder einmal nicht davor zurück, explizite Szenen einzubauen. Das Kopfkino hat gut zu tun, und auch das macht den Reiz hier aus. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Durch die verschiedenen Perspektiven erhält man Einblicke in die Leben der Brüder und das, was sie durchmachen mussten. Aber, und das ist mir bisher selten in die Finger gekommen, auch die Nanny mit den pädophilen Neigungen kommt hier zu Wort. Diese Abschnitte haben meine Eingeweide gefrieren lassen, so unfassbar grausam fand ich ihre Gedanken. Grausam und doch faszinierend.

Persönliches Fazit: Hardcore vom Feinsten. Ein Muss für alle, die gern Ketten sprengen und sich storytechnisch mal was zutrauen.
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Bibliografie:

Autorin: Simone Trojahn
Verlag: Redrum Books

ISBN: 978-3959578837
Reihe: -
Genre: Hardcore
Erscheinungsdatum: 07.02.2018
Seitenanzahl: 397
Format: Taschenbuch: 14,99 € / E-Book: 4,99 €
Leseprobe: Blick ins Buch
Leseexemplar: Ja

Rezension: © Recensio Online

Cover Original: © Redrum Verlag

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