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Gemeinsam mit Kya (gesprochen Kaya) tauchen wir ein in das Marschland von North Carolina. 
 
Dort lebt sie seit ihrer Geburt – die Wildnis ist ihr Zuhause. Nachdem die Mutter die Familie verlassen hat und auch die Geschwister nach und nach weggegangen sind, bleibt Kya bei ihrem alkoholkranken und gewalttätigen Vater zurück. Sie ist einsam und hat nur sich selbst. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes halten sich von ihr fern und isolieren sie damit. Aber das „Marschmädchen“ ist ihnen nicht geheuer. Sie ist anders, ungeschliffen. Und das ist nicht gern gesehen. Das Thema Vorurteile ist hier ein ganz wichtiges, und die Autorin bringt eindeutig rüber, dass es manchmal besser ist, seine eigenen hin und wieder zu überdenken.

Kya kann weder lesen, noch schreiben oder rechnen. Sie hat kaum Allgemeinwissen über die Welt „da draußen“. Dafür findet sie mit verbundenen Augen die besten Muscheln im Sumpf, überlebt in der Natur und kann ihre Mahlzeiten selber fangen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Kya ihr Leben lebt, hat die Autorin wunderbar beschrieben. Auch die Zerrissenheit konnte man absolut nachempfinden. Kya mag ihr Leben, aber nicht den damit verbundenen Außenseiterstatus. Sie möchte zu einer Gruppe dazugehören, Teil einer Gemeinschaft sein. So lernt sie Chase kennen, der ihr etwas von seinem Wissen mitgibt. Jahre später wird er tot aufgefunden und alle verdächtigen Kya.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Einmal ab 1952, das Jahr, in dem Kya erwachsen wird. Dann in 1969 – das Jahr des Mordes. Diese beiden Stränge verzahnen sich immer tiefer ineinander, bis der Leser ein mehr oder weniger vollständiges Bild von Kya hat. Bis es jedoch so weit ist, hat man sein Urteil über einen Protagonisten schon gefällt.

Die Energie, mit der die Autorin die Geschichte erzählt und zwischen den Zeiten springt, treibt die Entwicklungen stets voran. Im Gegensatz dazu bringt sie jedoch mit ihrer fast schon poetischen Beschreibung der Natur viel Ruhe in die Story. Oft erscheint die Umwelt trist, grau, und auch Kyas Situation macht die Atmosphäre deutlich trostlos. Doch bevor die Stimmung schon fast ins Melancholische kippt, zaubert die Autorin eine dramatische Kehrtwendung herbei, mit der man nicht gerechnet hat und die einen weiter durch die spannungsgewaltige Handlung treibt.

Der Titel lässt einen Roman vermuten, doch „Der Gesang der Flusskrebse“ ist so viel mehr. Poesie, Spannung, Drama, Nervenkitzel - mein Herz blieb in jeder einzelnen Seite stecken. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der atmosphärische Spannung mag und auch gerne mal einen Ausreißer liest.
 
Ich freue mich darauf, Kya erneut zu begleiten.

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